Fake News können Ihrer Gesundheit schaden

Eines der grundlegenden Anliegen der evidenzbasierten Medizin, ist, wie der Begriff betont, Aussagen zu treffen, welche anhand von klinischen Studien nachgewiesen werden können. Es ist oft ein langjähriger Prozess, der nicht immer geradlinig verläuft – gelegentlich auch dem Scheitern unterworfen ist. In anderen Worten: bis es Ergebnisse gibt – insbesondere solche, die für ein breiteres Publikum von Interesse sind – dauert es unter Umständen durchaus länger, als es den Medien lieb wäre. Denn Medien müssen über etwas berichten – im Zeitalter von Instant Everything ist jeder Tag ohne Neuigkeiten, ohne ein „Post“, ein Tag zu viel. Es werden Clicks angestrebt, und dies manchmal um jeden Preis. Für ein gründliches „Fact Check“ – der Überprüfung aller Aussagen auf deren Nachweisbarkeit – und sorgfältiger Recherche mangelt es oft an Zeit. Je nach Plattform und Zielpublikum wird dies auch nur bedingt angestrebt – denn bei einer derart großen Flut an Informationen geraten „kleine“ Fehler oder Ungenauigkeiten schnell in Vergessenheit.

Doch handelt es sich nicht immer nur um unwichtige Details, deren Richtigkeit fragwürdig sind. Es handelt sich hierbei häufig um ganze Aussagen, deren Inhalt nicht der Realität entspricht – die sogenannten Fake News. Auch die Berichterstattung im Gesundheitswesen ist von diesem Phänomen nicht ungefährdet – ganz im Gegenteil. Man nehme das aktuelle Beispiel des Coronavirus (Covid-19), bei welchem Fake News ein zusätzliches Problem darstellen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Team des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems mit der Zusammenfassung von Studien zur neuartigen Lungenkrankheit beauftragt. In einem Interview mit dem Leiter des Departments, Gerald Gartlehner, wird berichtet, wie angesichts der internationalen Dringlichkeit der Situation das „Rapid Response Team“ in kürzester Zeit evidenzbasierte Aussagen zu der Natur des Covid-19 treffen muss – ein Prozess der normalerweise sechs Monate dauern würde.

Jedoch ehe diese nachgewiesenen Aussagen publiziert werden konnten, war das Internet bereits voll von allerhand „Heilmitteln“ und irrtümlichen Informationen über das Virus. Diese variieren von Aussagen zu dem vermeintlichen Ursprung des Virus – basierend auf einem Video einer Chinesin, die eine Suppe mit einer Fledermaus darin isst – bis hin zu kuriosen Therapien wie beispielsweise einem Heilmittel, das in den USA beworben wird und die Erkrankung angeblich heilen soll, in Realität jedoch nur verdünnte Chlorbleiche darstellt. Im Internet besteht Großteils kaum Qualitätskontrolle und auch vermeintlich seriöse Studien ziehen ihre Schlussfolgerungen ohne jegliche fachliche Begutachtung. Es ist wichtig, genau darauf zu achten, wo man seine Informationen erhebt und nicht dem ersten Ergebnis einer Google-Suche zu vertrauen. Dazu äußert sich Gartlehner im Interview: „Das Virus ist neu, und es gibt viele Unsicherheiten, da blühen natürlich neben den Verschwörungstheorien auch Fake-News. Es ist wichtig, dass die Medien, die Bevölkerung und die Behörden sich möglichst auf rationale Fakten konzentrieren. Google hat zum Beispiel auch Maßnahmen ergriffen. Wenn man Coronavirus googelt, bekommt man nicht mehr als Erstes die gesponserten und meistgesuchten Seiten, sondern seriöse Information ist ganz oben angezeigt – etwa von der WHO oder vom amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC). Erst danach kommen die üblichen Google-Ergebnisse“. Er fügt ebenso dazu, dass „In Österreich hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) eine sehr gute Informationsseite zum neuen Coronavirus erstellt. Nur in der Realität ist das meist nicht die erste Anlaufstelle der Menschen, sondern sie gehen auf Google. Leider gehen Informationen, die von öffentlicher Seite zur Verfügung gestellt werden, oft am Leben vorbei[1]“.

Bezogen auf diese Problematik fand in Perchtoldsdorf vor kurzem ein Internationaler Gipfel gegen Fake-News im Gesundheitsbereich statt – „(Un)seriöse Gesundheitsinformationen: erkennen, verstehen, entscheiden“. Perchtoldsdorfs Bürgermeister betont die Wichtigkeit des Kongresses: „Falsche Nachrichten im Gesundheitsbereich können enormen Schaden anrichten. Die Veranstaltung bringt Lösungen für dieses sensible Thema[2].“ Peter Nowak, von der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) und langjähriger Experte im Bereich von Gesundheitskompetenz, hielt diesbezüglich einen Vortrag mit dem Titel „Medical Fake News als Herausforderung für die Gesundheitskompetenz von BürgerInnen und PatientInnen“ und hob darin hervor, dass Medical Fake News einen doppelten Schaden anrichtet. Auf einer Seite können falsche Informationen der Gesundheit erheblich schaden (sei es durch falsche oder gar schädliche „Heilmittel“), auf der anderen Seite verursachen sie Unsicherheit (bis hin zur Panik) und ein gestörtes Vertrauen[3].

Insofern haben irreführende Informationen einen deutlich längeren Rattenschwanz, als dies vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Es gibt gute Gründe, wieso evidenzbasierte Aussagen nicht von heute auf morgen getroffen werden können – Gründlichkeit erzwingt Geduld. Das erstbeste aus dem World Wide Web ist oft das, was man wie eine Eierschale abpellen sollte, um zum eigentlichen Dotter zu kommen.


[1] https://www.derstandard.at/story/2000114843989/geschaeftemacherei-mit-dem-coronavirus-aufdecken

[2] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200116_OTS0156/internationaler-gipfel-gegen-fake-news-im-gesundheitsbereich

[3] https://oepgk.at/wp-content/uploads/2020/01/nowak-eufep-2020-002.pdf

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