Die Frage des Dateneigentums

Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist mittlerweile schon nicht mehr so neu, denn es ist bereits fast ein halbes Jahr vergangen, seit diese in Kraft getreten ist. Dennoch sind die daraus resultierenden Konsequenzen etwas, was wohl noch eine längere Zeit in der klinischen Forschung für Veränderungen sorgen wird. Im Zuge des vermehrten Datenschutzes wird vor allem viel darüber diskutiert, wie sich die Eigentumsrechte an PatientInnen-Daten angepasst werden sollen.

In einem Interview mit Darshan Kalkarni (Vice president of Regulatory Strategy and Policy bei Synchrogenix), publiziert im Journal of Clinical Research Best Practice, wurde das Thema des Besitzes von Daten diskutiert. Die Kernaussage, die ebenfalls als Titel figuriert, besteht darin, dass die Daten der jeweiligen PatientInnen deren Eigentum sein sollten. Kulkarni deutet darauf hin, dass es eine eher seltsame Tatsache ist, dass bei der Diskussion bezüglich der Bestimmungen um die Eigentumsrechte der Daten nur Sponsoren und Forschungsstandorte zu Wort kommen, die PatientInnen, um deren Daten es jedoch geht, im Hintergrund bleiben.

Ein weiterer Punkt, der angesprochen wird, ist die Tatsache, dass  PatientInnen  im Allgemeinen sehr wenig Auskunft über ihre eigenen Daten erhalten, vor allem hinsichtlich dessen, was genau mit ihren Daten passieren kann oder wird. So argumentiert Kulkarni, dass die PatientInnen zwar Einwilligungserklärungen unterzeichnen, in diesen jedoch kaum weitere Informationen zur Datenverarbeitung enthalten sind, neben der Aussage, dass die Daten für „weitere Forschungszwecke“ benutzt werden. Die Tatsache, dass aus dieser weiteren Forschung enormer Profit entstehen kann, der ohne die Daten dieser PatientInnen nicht möglich wäre, wird dort zum Beispiel nicht erwähnt.

Die Praktikabilität des Dateneigentums der PatientInnen wird ebenso in Betracht gezogen, wobei mehrere Vorschläge erläutert werden. So beispielsweise, dass die PatientInnen, deren (gespeicherte) Daten für die Entwicklung bestimmter Medikamente genutzt wurden, diese Präparate vergünstigt bekommen könnten. Ebenfalls könnte man mit den Sponsoren oder Forschungsinstituten „schlaue“ Verträge („blockchain smart contract“) schließen, in welchen die Art und Weise der Nutzung von Daten klar definiert ist, und die Dateneigentümer – also die PatientInnen – bei (wieder-) Nutzung ihrer Daten eine Entschädigung bekommen würden. Da die PatientInnen zur Zeit nicht des Profits wegen an Studien teilnehmen, so Kulkarni, kann es gut sein, dass auch in diesem Fall eine Entschädigung nicht in Anspruch genommen werden – dennoch sollten die PatientInnen eine Auswahl haben, vor allem  darauf bezogen, wie und für welche Zwecke die Daten benutzt werden.

Es kann lange diskutiert werden über die Vor- und Nachteile einer solchen Eigentumsregelung, bei welcher PatientInnen die EigentümerInnen ihrer eigenen Gesundheits- und Krankendaten sind. Faktisch werden sich diese jedoch erst in der Praxis langsam herauskristallisieren.

Einige Ideen, die Kalkarni vorstellt, werden bereits von einigen Sponsoren im Studienalltag umgesetzt. Ob sich daraus in Zukunft jedoch ein internationales „Urheberrecht“ für bei klinischer Forschung genutzter Daten geben wird, kann man nicht hervorsehen. Zwischenzeitlich hilft Ihnen unser Kurs „Sprechen Sie DSGVO?“ einen Überblick über die Besonderheiten der europäischen und österreichischen Datenschutzregulierungen zu verschaffen.